Sonntag, 18. Februar 2018

Zum Trotz

Seit 3 Wochen bewundere ich vor meiner Haustür mein eigenes, wenn auch sehr kleines, Wunder:






Ein kleines zartes Stiefmütterchen. Eines, das sich selber ausgesät hat, von meinen Stiefmütterchen, die ich im letzten Sommer ein paar Meter weiter eingepflanzt hatte.

Die Distanz hat es selber überwunden und steht direkt an meinem Fußweg, an der Ecke. Hat zu meiner großen Verwunderung schon im Januar begonnen auszutreiben und zu blühen. Die einzige Blüte, die ich hier im großen Umkreis entdecken kann. Trotzt Eis, Schnee und den bitterkalten Winden, die über die weiten flachen Felder fegen. Alles ist von einem betrübten Grau, bis auf diesen einen kleinen Farbklecks.

Und grüßt mich jeden Tag, wenn ich zum Auto oder den kurzen Weg zurück zur Haustür gehe. Lässt mich innehalten, so ein kleines Ding, dass im Sommer vermutlich einfach irgendeine Blume unter vielen anderen gewesen wäre.

Aber jetzt ist sie etwas Besonderes. Weil sie Hoffnung gibt. Auf Frühling, Sonne und einen neuen Sommer voller Stiefmütterchen.

Edit: Damit die Chancen für das kleine Ding steigen und ich ohnehin schon immer anders war, als andere Kinder, bekommt es in den Frostnächten eine kleine Übernachtungshilfe:

Bislang hat es funktioniert, aber vermutlich werden alle Gartenprofis die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Falls jemand eine optimierte Idee hat, schreibt mir bitte!

Samstag, 17. Februar 2018

Fokus

Durch einen Blog Beitrag beim Soulweeper bin ich noch einmal an eine sehr "spannende" Geschichte erinnert worden.


Es geht dabei um Literaturlesungen von Frauen, die während der Lesungen bewusst durch einen Vibrator aus der Konzentration gebracht werden.

Der Punkt für mich dabei ist: Während ich zusehe, beobachte ich, wie die Frauen immer mehr den Fokus auf den Text verlieren und sich schließlich durch ihren Orgasmus komplett auflösen.

Ebenso spannend ist aber auch die Wirkung auf den Zuschauer: Wann verliert dieser den Fokus auf die Lesung und konzentriert sich mehr auf den Lustfaktor der Vorleserin.

http://hystericalliterature.com/




Mittwoch, 14. Februar 2018

Du heller Himmel über mir

Du heller Himmel über mir



Du heller Himmel über mir, 
Dir will ich mich vertrauen: 

Lass nicht von Lust und Leiden hier 
Den Aufblick mir verbauen!

Du, der sich über alles dehnt, 
Durch Weiten und durch Winde, 

Zeig mir den Weg, so heiss ersehnt, 
Wo ich Dich wiederfinde.

Von Lust will ich ein Endchen kaum 
Und will kein Leiden fliehen; 

Ich will nur eins: nur Raum – nur Raum, 
Um unter Dir zu knieen.

(Lou Andreas Salomé 1861-1937, russisch-deutsche Erzählerin)

Dienstag, 13. Februar 2018

Selbstwertgefühl Teil XI

Nun habe ich gestern die Mail doch verschickt.

Früher hätte man gesagt, wenn man das Porto schon auf den Brief geklebt hat, schickt man den auch ab. So ähnlich war es.

Antwort kam schon heute Morgen. Und lässt sich hübsch kurz zusammenfassen.

"Natürlich mag ich Dich, sonst würde ich Dir ja auch nicht xx anvertrauen. Du nimmst ihn doch für die Woche?"

juchhu

Montag, 12. Februar 2018

Mädchen Kram

Wenn Ihnen danach ist, mal wieder herzlich lachen zu wollen und Sie kennen die gängigen Mädchenfilme wie Sissi oder die alten Märchenschallplatten, habe ich etwas für Sie.

Petra Perle (weibliche Hauptrolle) ist ein Münchner Original, herzerfrischend kreativ und Besitzerin eines Wollladens in München. Hier zu sehen mit dem sagenhaften Helmi (ebenfalls weibliche Hauptrolle) in:



Sissi





Und als geniale Schallplattenadaption: Schneewittchen




Sonntag, 11. Februar 2018

Mimik lesen

Bis vor ein paar Monaten habe ich WA kaum genutzt, inzwischen läuft da einiges an Kommunikation drüber. Unter anderem auch ein sehr unterhaltsamer Chat mit dem Richter/'Referenten der mich für nächstes Jahr nach Schottland eingeladen hat.

Und ich möchte gar nicht wissen, wie unterhaltsam meine Verbrechen an der englischen Sprache für ihn sind ... Aber er ist da immer sehr höflich. Nur ab und zu merke ich einen leisen Spott, der meist ziemlich genau meinen Humor trifft.

Ich hatte mich ja schon gewundert, dass er überhaupt noch wusste, wer ich bin. Denn wir hatten uns vor dem Seminar nur bei einer Veranstaltung gesehen und da war ich prüfungstechnisch nicht unbedingt positiv aufgefallen.

Jetzt stellte sich mal wieder heraus, dass ich manchmal unterschätze, wie gut andere Leute (vor allem im Vergleich mit mir) in der Lage sind Mimik und Gestik zu lesen. Denn in Erinnerung geblieben war ich wohl gar nicht wegen meiner ziemlich schlechten Performance in seiner Aufgabe, sondern wegen der folgenden Abendveranstaltung. Hatte ich überhaupt nicht mehr auf dem Schirm.

Zu dem Zeitpunkt war es Ewigkeiten her, dass ich tanzen war, feiern und Blödsinn machen. Und dies war der perfekte Tag, um das zu ändern. Es war der erste Tag des Finales und alle Starter bereiteten sich auf den Gala Abend vor. Gala Abend bedeutet bei uns die Aigle Stiefel endlich einmal auszuziehen und sich in etwas anderes als grüne Barbour Jacken zu werfen.

Die Teilnehmer sehen ohne wettertaugliche Kleidung so ganz anders aus, dass es mir teilweise (diese Untertreibung ist fast schon Vorsatz) schwer fiel, die Namen den Menschen zuzuordnen. Ein Problem das ich ohnehin immer habe.

Und so sehe ich direkt mehrmals am Abend sehr sehr irritiert aus, wenn mich freundliche Menschen ansprechen "Hallo Miss Whimsy, ich bin so froh, dass wir uns endlich mal wieder treffen", mich herzlich umarmen und ganz allgemein den Eindruck erwecken, dass wir uns sehr nahe stehen. Um Enttäuschungen zu vermeiden und mich dabei nicht völlig zu blamieren, nicke ich fröhlich lächelnd und stimme in die Wiedersehensfreude ein und habe immer noch null Ahnung, wer dass denn jetzt schon wieder ist. Sehr zur Belustigung meiner Freunde, die meine Schwachstelle schon lange kennen und sich jetzt auf meine Kosten hervorragend amüsieren.

Und es wird noch schlimmer, denn nach einiger Zeit bemerke ich, dass sich offensichtlich auch andere Leute darüber sehr erheitern können. Denn am Richtertisch sitzt auch C., der sich scheinbar nicht mit den anderen englischen Richtern unterhält, sondern unseren Tisch beobachtet und sich über irgendetwas sehr zu freuen scheint. Im Laufe des Abends ist mir das aber recht egal, denn der ungewohnte Weinkonsum führt bei mir zu einer gewissen Ausgelassenheit und ich merke wie die Glitzerknete in meinem Kopf anfängt zu brennen.

Als ich von der Tanzfläche komme, stoße ich gewohnt tolpatschig mit jemand zusammen. Und wie C. heute im Chat schrieb, habe ich dann wohl mit einem leicht angeschickerten Silberblick in sein Gesicht hinauf gelächelt und mich extrem amüsiert entschuldigt, bevor ich breit grinsend weiter ging.

Er hätte zwar die Gespräche nicht verstanden, aber es sei ihm selten jemand begegnet, der über sich selber so gut lachen konnte. 
Ich hätte nicht gedacht, dass das so offensichtlich ist.

Mittwoch, 7. Februar 2018

Reflex-Lügen

Zu den Dingen, die ich in meiner Kindheit eingebläut bekam, gehört auch ansatzloses Reflex-Lügen. 
Dank der erfolgreichen Erziehungsmethoden meines Stiefvaters beherrsche ich diese eklige Gabe fast perfekt. Tja, da kann ich mal etwas richtig gut und dann muss es ausgerechnet so etwas sein.

Wenn mein Stiefvater auch nur ahnte, dass ich irgendwo einen Fehler gemacht hatte, hatte er endlich mal wieder einen Anlass seine Verachtung und seinen Hass rauszulassen. Als ich älter wurde, passierte das seltener durch Verprügeln sondern öfter durch Demütigung und Isolation.

Also durfte er weder erfahren, dass ich einen Fehler gemacht hatte, noch dass es irgendetwas gab, auf dass ich mich gefreut hätte. 

Die Parole lautete folgerichtig: Ich hatte nie Probleme und es gab auch keine Pläne.

Und dazu muss man gut lügen können, nie zögern bei Antworten, immer auf der Hut, dass ich auch sonst nichts erzähle, dass zu den richtigen Antworten hätte führen können.

Nicht erzählen, dass ich eingeladen wurde (denn dann hätte ich ja Kontakte und Freunde haben können)

Nicht erzählen, dass mir Reiten, Ski fahren, Lesen, Singen Spaß machen (denn das hätte man mir ja als Strafe gut verbieten können)

Nicht erzählen, dass es einen Freund gibt ( denn sonst hätte man ja den Umgang verbieten können)

Und all das ist passiert, denn am Anfang war ich noch nicht gut genug im Lügen. Aber es wurde besser, nach ein paar Jahren verlassen die Lügen schon automatisch meine Lippen. Der beste Schutz gegen die schlimmsten Strafen.

Aber: Einmal daran gewöhnt, ist es sehr sehr schwer diesen Reflex wieder los zu werden. Es hat mich eine sehr gute und alte Freundschaft gekostet, bis ich gemerkt habe, dass ich immer noch reflexartig lüge. Es hatte sich verselbständigt, war zu einem Automatismus geworden, den ich nur schwer los wurde.

Es ist jetzt ein paar Jahre her, dass ich schmerzhaft lernen musste, da etwas zu ändern. 

Inzwischen ist der Reflex weg, ich bemühe mich meinen Mitmenschen gegenüber sehr ehrlich zu sein, ohne sie zu verletzen. Und es klappt. 

Nur manchmal nutze ich die Erfahrung noch um andere oder mich selber vor den schlimmsten Dingen zu bewahren. 

Ansonsten sage ich lieber gar nichts als zu lügen. Wenn ich also mal Ihre Fragen nicht beantworte, liegt es vermutlich daran, dass ich Sie nicht anlügen will. Gewähren Sie mir diese Flucht.